Jein. Das Intervallfasten löst zwar zwei Probleme: zu häufig und zu viel essen. Meiner Meinung nach ist es dennoch nicht für jede Person empfehlenswert, da nicht alle mit zwei Mahlzeiten pro Tag genügend Energie und Stoffe aufnehmen können. Insbesondere ist es für Menschen mit Energie- und Substanzmangel nicht geeignet. Ein weiterer Aspekt wird dabei nicht berücksichtigt, nämlich was und in welcher Qualität wir essen. Schauen wir es uns genauer an:

Viele Menschen ernähren sich ungesund: zu viel, zu häufig, unausgewogen (gemäss Ernährungspyramide, meistens zu viel Zucker, Kohlenhydrate und Fett), schlechte Qualität und zu kalt (gemäss TCM).

Für die Lösung des Problems „zu häufig essen“ (Snacken) und des "zu viel essen" ist als neueste Ernährungsform das Intervallfasten in aller Munde. Damit ist gemeint, dass man etwa 16 Stunden pro Tag keine Nahrung zu sich nimmt, ansonsten aber normal isst. Zum Beispiel isst man nur Mittag- und Abendessen und fastet dann bis zum nächsten Mittag. Oder man isst nur zwischen 9 und 17 Uhr. Es gibt auch keinerlei Zwischenmahlzeiten.

Im Grundsatz stimmt dies überein mit den Erkenntnissen der westlichen und östlichen Naturheilkunde. Für die vollständige Verdauung ist es von Vorteil, 4-6 Stunden Abstand zwischen den Mahlzeiten zu machen. Der Stoffwechsel, insbesondere der Zucker- und Fettstoffwechsel, profitiert von längeren Pausen. Auch entspricht dies der Fähigkeit des Menschen, denn Jahrtausende lang waren Lebensmittel nicht immer verfügbar, so dass wir zum Fasten durchaus in der Lage sind.

Aber: Statt nun radikal auf zwei Mahlzeiten umzustellen, genügt es meiner Ansicht, drei ausgewogene und von der Menge her angepasste Mahlzeiten anzupeilen. Insbesondere das Frühstück ist gemäss TCM eine wichtige Mahlzeit. Ein warmes und gut verdaubares Frühstück liefert Energie für den ganzen Vormittag, wärmt und stärkt die Mitte. Oder fahren Sie mit dem Auto auf eine fünfstündige Fahrt mit fast leerem Benzintank los? Auf jeden Fall ist es sinnvoll, Zwischenmahlzeiten sowie Snacks nach dem Abendessen wegzulassen.

Für Menschen mit Mangelzuständen, wie Energiemangel (insbesondere der Verdauungskraft) und Substanzmangel ist das Intervallfasten nicht zu empfehlen. Denn diese Menschen profitieren von einer regelmässigen Nahrungsaufnahme - mit den erwähnten 4-6 Stunden Pause. Auch ist es für die Verdauung besser, eine kleinere und zwei mittelgrosse Mahlzeiten zu essen statt zwei grosse. Übrigens gibt es auch Übergewichtige mit mangelnder Energie und Substanz, zum Beispiel Blutmangel. Diese Zustände können zum Beispiel durch Diäten, unausgewogene Ernährung, langandauernde Überbelastung oder Krankheiten entstehen.

Wichtig ist auf jeden Fall die Zusammensetzung dieser drei Mahlzeiten. Wenn der Anteil an Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten hoch ist, ergänzt durch wenig tierische Produkte, können so drei gesunde und Kraft liefernde Mahlzeiten genossen werden.

Für viele Personen mit Fülle-Zeichen (gemäss TCM) kann das Intervallfasten aber hilfreich und gesund sein, so etwa bei Übergewicht  oder entzündlichen Erkrankungen. Die Gewohnheit des ständig zuviel Essens kann abgelegt werden. Verbunden mit einer ausgewogenen Ernährung und Bewegung kann es langfristig wirken. Ich würde dabei aber Frühstück und Mittagessen empfehlen. Das Abendessen auszulassen, ist naturheilkundlich sinnvoll, da die Verdauung abends und in der Nacht weniger aktiv ist.

Auch nach Festtagen oder Ferien, in denen man zuviel gegessen hat, kann eine oder zwei Wochen Intervallfasten geeignet sein, um zuviele Kilos wieder loszuwerden.

Nicht geeignet ist das Intervallfasten schulmedizinisch gesehen bei Untergewicht, niedrigem Blutdruck, in Zeiten von erhöhtem Nährstoffbedarf wie Schwangerschaft und Stillzeit und in der Rekonvaleszenz sowie bei Essstörungen. Personen mit Krankheiten müssen auf jeden Fall Rücksprache mit ihrem Arzt nehmen.

Es zeigt sich einmal mehr: Es ist nicht für alle Menschen das Gleiche gut.

Weitere Informationen:

https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Gesund-abnehmen-mit-Intervall-Fasten,fasten224.html

Dokument Zusammenfassung gesunde Ernährung.

Ernährungsberaterinnen TCM, die Sie zu Ihrem Gesundheitszustand beraten können: https://ve5e.ch/beratung/

Ernährungspyramide der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE): http://www.sge-ssn.ch/ich-und-du/essen-und-trinken/ausgewogen/foodprints/

Karin Nowack
Dipl. Natw. ETH Umweltnaturwissenschafterin
Zert. Ernährungsberaterin

© 2017-2018 Karin Nowack, Nachhaltige und gesunde Ernährung. Impressum. Datenschutz
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